Wie man Fortuna beeindruckt
„Chumm Gumili, chumm!“ Wir wussten auch nicht, warum Tom die Eidechsen ausgerechnet mit dem Namen der Katze anzulocken versuchte. Ich verbrachte das lange Auffahrtswochenende mit einer Freundin und ihrem Sohn bei einem ihrer Verwandten im Bleniotal. Seit wir ihm am Abend davor erzählt hatten, dass Eidechsen ihren Schwanz abtrennen können, wenn ein Feind sie dort erwischt, hatte der Junge es sich in den Kopf gesetzt, am nächsten so genannten „Zeigitag“ im Kindergarten mit einem Eidechsenschwanz allen anderen die Show zu stehlen. Nun zeigte er eine bewundernswerte Ausdauer und lockte und rief und suchte schon seit Stunden im Garten seines Grossonkels nach den Viechern. Auch hatte er ihnen eine Falle gestellt, welche er minütlich kontrollierte. Er legte ihnen sogar Köder in Form von toten Fliegen aus, weil ich ihm den Tipp gegeben hatte, dass Eidechsen wohl eher auf tierische Nahrung, als auf Rufe reagieren würden. Ohne Erfolg. Zwar zeigte sich ab und zu eine Eidechse, angeblich wurde sogar eine der Fliegen von ihnen gefressen, aber natürlich war jede davon flinker als der Fünfjährige. Während ich mir Sorgen darüber machte, wie der Tag wohl enden würde, wenn Toms Bemühungen bis zu unserer Abreise am Nachmittag nicht von Erfolg gekrönt sein würden, und wir mit einem zutiefst enttäuschten Kind vier Stunden lang Zug fahren würden, fürchtete sich seine Mutter viel eher davor, mit Eidechsenschwänzen im Gepäck nach Haus zurückkehren zu müssen. Wir waren uns aber sehr sicher, dass ihre Angst praktisch ohne Grund war, meine Sorgen dafür umso mehr.
Womit wir nicht gerechnet hatten war das Glück, und das Ausmass, in welchem es den Tüchtigen lachen kann. Denn als wir uns eine halbe Stunde bevor unser Bus fuhr von unserem Gastgeber das kleine Häuschen zeigen liessen, in welchem er eine Ferienwohnung vermietet, fanden wir dort in einem mit Regenwasser gefüllten Behälter drei ertrunkene Eidechsen. Zu sagen, dass Tom im siebten Kindergärtlerhimmel war, ist eine krasse Untertreibung. In diesem Moment waren all seine Wünsche wahr geworden und er war nur noch glücklich.
Meine Freundin musste wohl oder übel in den sauren Apfel beissen, und ihn die Leichen in einem Plasticgeschirr nach Hause transportieren lassen. Er plant nun, sie dabei zu beobachten, wie sie zu Hause im Garten unter einem Busch verwesen. Seiner Mutter bleibt zu wünschen, dass er auch dabei eine Engelsgeduld an den Tag legen wird und die Toten liegen lässt, mindestens bis sie vollends zu Skeletten geworden sind.
Womit wir nicht gerechnet hatten war das Glück, und das Ausmass, in welchem es den Tüchtigen lachen kann. Denn als wir uns eine halbe Stunde bevor unser Bus fuhr von unserem Gastgeber das kleine Häuschen zeigen liessen, in welchem er eine Ferienwohnung vermietet, fanden wir dort in einem mit Regenwasser gefüllten Behälter drei ertrunkene Eidechsen. Zu sagen, dass Tom im siebten Kindergärtlerhimmel war, ist eine krasse Untertreibung. In diesem Moment waren all seine Wünsche wahr geworden und er war nur noch glücklich.
Meine Freundin musste wohl oder übel in den sauren Apfel beissen, und ihn die Leichen in einem Plasticgeschirr nach Hause transportieren lassen. Er plant nun, sie dabei zu beobachten, wie sie zu Hause im Garten unter einem Busch verwesen. Seiner Mutter bleibt zu wünschen, dass er auch dabei eine Engelsgeduld an den Tag legen wird und die Toten liegen lässt, mindestens bis sie vollends zu Skeletten geworden sind.
acqua - 23. Mai, 20:15
4 Kommentare - Kommentar verfassen - 0 Trackbacks
irgendeinisch - 24. Mai, 00:18
eine wunderschöne erzählung! ich kann mir den kleinen richtig vorstellen. und ich bin froh, dass er seine eidechsen noch bekommen hat :-)
acqua - 24. Mai, 18:36
Danke! Wie ich übrigens erfahren habe, werden die Verblichenen noch immer im Kühlschrank aufbewahrt...
Narana (anonym) - 25. Mai, 07:42
Na hoffentlich landen die nicht versehentlich in der Suppe...
acqua - 25. Mai, 17:55
Kaum! Dafür dass mit den Viechern etwas versehentliches passiert sind sie dem einen zu wertvoll und die andere ekelt sich zu sehr davor...




Trackback URL:
http://acqua.twoday.net/stories/3760939/modTrackback