Sonntag, 24. Februar 2008

Frage (XXXIV)

Bin am Hinundherüberlegen, ob ich ausgewählten Personen aus meinem richtigen Leben von diesem Blog erzählen soll. Ich finde es nämlich immer unehrlicher, mit ihnen nicht darüber zu sprechen, da er mittlerweile einen nicht unbedeutenden Teil meines Lebens ausmacht. Dagegen spricht, dass ich mich dadurch möglicherweise stärker selbst zensieren würde, als ich dies bisher schon tue und dass ich nicht mit Sicherheit wüsste, wer aus meinem Bekanntenkreis sonst noch hier mitliest.

Wie sind eure Erfahrungen und Ansichten mit und zu diesem Thema?

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silmanja - 24. Feb, 21:06

meine beste freundin hat von anfang an mitgelesen, das war kein schlechter gradmesser, einigen leuten habe ich erzählt dass ich blogge, ohne die adresse herzugeben - als dann durch eine blöde verkettung ehemalige arbeitskollegen in meinem blog mitgelesen haben - habe ich auch mehr freundinnen die adresse gegeben. wer von ihnen jetzt tatsächlich mitliest, weiss ich gar nicht so genau, aber ich bin schon viel vorsichtiger geworden.... meine schwester hat sich sogar einmal (nachdem ich ihr die adresse gegeben habe) ein halbes jahr nach hinten gewühlt (und mir dabei die rückmeldung gegeben, dass schon alle geschichten passen - auch die wo sie mitspielt, uff)

irgendwo habe ich auch einmal gelesen, man sollte beim Bloggen nicht mehr preisgeben, als was einem vielleicht bei einem glas wein am abend rausrutscht (das salz in der suppe). das hat mir auch gefallen...

acqua - 25. Feb, 13:52

Das mit dem Glas Wein ist gut, heisst aber auch, dass ein Blog halt doch kein privates Tagebuch ist.

(Nach hinten wühlen würde ich mich garantiert auch, würde mir meine Schwester von einem eigenen Blog erzählen. :-/ )
shine.on - 24. Feb, 21:24

Gib die Adresse niemanden. Einfach aus dem Grund, dass du dich dann wirklich selbst zensieren würdest. Und das hier ist ein toller Platz, um die Worte in einem rauszulassen. Ich hab auch mal Freunden meine Adresse gegeben. Oft waren sie geschockt und haben gedacht, meine Welt ist kurz vorm untergehen, dabei ging es mir gut. Um nicht mehr unter deren Beobachtung zu stehen "bin ich umgezogen".
Das man nicht mehr schreiben sollte, als man auch bei nem Glas Wein ausplaudern würde, stimmt. Aber nutzt diesen Raum hier, um dich unbeobachtet von denen, die am Herzen liegen, auszuleben.
Mein Tipp.

acqua - 25. Feb, 13:55

Dass sich meine Realität hier nur verzerrt abbildet, stimmt. Dass das auf Mitleser entsprechend wirken kann, muss man sich bewusst sein und wahrscheinlich am besten auch mit Ihnen darüber reden.
n.i.c.k. - 24. Feb, 21:38

Ich habe extra einen neuen Blog hier bei twoday aufgemacht, damit den keiner aus meinem Bekantenkreis mitließt. Selbstzenzur ist echt scheiße und außerdem überlegt man dauernd hin und her "...schreib ich das jetzt, oder nicht?..."

Ich veröffentliche aber auch keine Beiträge, in denen ich schlecht über Freunde rede oder ähnliches. Es tut aber ganz shön gut, sich mal Sachen von der Seele zu schreiben, von denen ich nicht möchte, dass mich meine Bekannten darauf ansprechen.

acqua - 25. Feb, 13:56

Merke: Zweitblog als Hintertür.
brigitte - 24. Feb, 21:43

der vergleich mit dem glas wein ist gut. ich hab einen ähnlichen: was im blog steht, erzähle ich im tram oder bus auch am natel.

ich habe ca. 1,5 jahre lang gebloggt ohne jemandem davon zu erzählen. dann gabs ein zeitungsinterview mit mir (alles schon lange her) und ich habe vor der veröffentlichung meinem umfeld vom blog erzählt. natürlich habe ich nachher zensiert, man überlegt sich ganz klar, wie man was erzählt, ob mans erzählt.

abgesehen von meiner familie liest aber glaubs auch niemand von meinen (nichtbloggenden) freunden bei mir mit.

einerseits möchte ich shine.on recht geben: behalte die adresse für dich. andererseits finde ich es eben auch 'gesund' dass mein umfeld von meinem blog weiss. ich finde diese vermeindliche anonymität im internet, das ja schlussendlich doch jedermann zugänglich ist, ein bisschen widersprüchlich.

acqua - 25. Feb, 13:59

Tram oder Bus sind mir zu öffentliche Vergleiche. Ich möchte es hier persönlicher halten. Hier aufzuschreiben was ich auch guten Freunden erzählen würde scheint mir für mich schon eher praktikabel. Mein Problem: Ich spreche mit verschiedenen Freundinnen über unterschiedliche Themen. Nicht immer, aber oft.

Dass man sich über die Anonymität im Internet nicht zu viele Illusionen machen darf ist ein guter Gedanke.
books and more - 24. Feb, 22:24

Schwierige Frage, nicht wahr? Das habe ich mir (vor allem mit Blick auf meine ältere Tochter, jetzt 15) hier auch schon mal überlegt und auch ein paar Kommentare dazu bekommen.
Der aktuelle Stand ist, dass ich meiner Tochter die Adresse gegeben habe. Das fühlte sich irgendwann einfach richtig an. Tut es immer noch :-) Da ich bestimmte Entscheidungen darüber getroffen habe, was ich in meinem Blog NICHT veröffentliche, fühle ich auch je länger je deutlicher KEINE 'innere Zensur'.

Meinem engsten Freund und einer Cousine habe ich die Adresse auch gegeben, aber beide lesen - wenn überhaupt - nur sehr sporadisch. Das scheint einfach nicht deren Medium zu sein. In Bezug auf diese beiden Personen waren meine Bedenken also geradezu unnötig.

Je näher einem der potentielle (erwachsene) Mitleser steht, und je öfter man mit dieser Person KONFLIKTE hat, desto vorsichtiger wäre ich mit der Herausgabe der Adresse. Einer Partnerin/einem Partner also eher nicht. Da gibt es die Gefahr, dass man sich 'kontrolliert' fühlt bzw. eine innere Zensur mit so engen Kriterien laufen hat, dass es dann auch keinen Spaß mehr macht ... Das ist zwar manchmal schade, weil man sich gerade dem Partner mitteilen möchte, aber einzelne Texte (z.B. einen Traum) kann man ja auch rauskopieren und so verschicken.
Aber diese Spezialfrage ('Soll meine Partnerin meinen Blog lesen?') hängt sehr von den individuellen Umständen ab. Ich möchte da meine Situation nicht verallgemeinern, nicht einmal für mich selbst. Wenn ein paar Parameter in den äußeren Bedingungen anders wären als sie jetzt sind, würde ich das noch einmal grundsätzlich neu bedenken ...

acqua - 25. Feb, 14:01

Dass Sie davon abraten, der Partnerin oder dem Partner vom Bloggen zu erzählen finde ich interessant. Ich frage mich oft, wie das die Leute handhaben. (Und einzelne Texte (Ja, Träume!) habe ich auch schon verschickt.)
books and more - 25. Feb, 14:06

Wobei es mir auch ein Leichtes ist, mir vorzustellen beim Bloggen eine Partnerin zu finden ;-) Dann sind die Verhältnisse natürlich nochmal andere ...

Ich denke gerade über diese 'Warnung' von mir nach, dem Partner nicht seinen Blog zu zeigen. Eigentlich passt das überhaupt nicht zu meinen Werten (und Bedürfnissen) in Bezug auf eine Liebesbeziehung. Kommt wahrscheinlich nur von aktuellen und sehr persönlich-spezifischen Schwierigkeiten der Lebenssituation. Also streichen Sie meine Warnung vielleicht...

[Vor meinem Fenster hüpft gerade eine tolle Elster in den Bäumen rum!]
acqua - 25. Feb, 14:11

Dann passen Sie mal gut auf Ihre glänzenden Wertgegenstände auf!

(Ich dachte, Sie seien fest verbandelt, werter Herr Mehralsbücher?)
books and more - 25. Feb, 14:27

ad (a) Z.B. auf meinen ... - wo ist jetzt der Kaffeelöffel?!?!
ad (b) Rein theoretisch. Also nicht 'verbandelt'!! Nicht nur theoretisch. Will sagen: Praktisch schon, aber theoretisch könnte ich mir's als vorstellbar denken. Verwirrendes Thema!
acqua - 25. Feb, 14:33

Ich fasse zusammen: Einerseits sind Sie rein theoretisch (aber nicht nur theoretisch) verbandelt, andererseits jedoch sind Sie praktisch verbandelt.
Verwirrend, in der Tat. Aber es geht mich ja auch nichts an.
books and more - 25. Feb, 14:37

Das hat bisher selten jemand so klar beschrieben! Sie sollten in einen beratenden Beruf wechseln (wenn Sie da nicht schon sind).
gamine - 25. Feb, 08:33

für menschen, die nicht blogen ist meiner meinung nach nicht ganz nachzuvollziehen, warum man blogt, wie man mit mitblogern verhängt ist und so. ich denke, es könnten sehr viele missverständnisse entstehen. daher hab ich auch blog und real-live immernoch getrennt. blogen ist für mich eine art tagebuch, nur halt manchmal mit feedbacks. mein tagebuch hab ich noch nie jemandem aus meinem freundeskreis gezeigt. es wäre zu missverständlich, weil manchmal etwas einfach raus muss, einige menschen, die einem nahestehen aber verletzen werden könnten.

acqua - 25. Feb, 14:03

Es gibt wohl zwei Seiten zu beachten: a) Wem möchte ich davon erzählen? und b) Wer kann es richtig einordnen?
seenia - 25. Feb, 09:54

ich habe durch eine gute freundin mit dem bloggen begonnen. mein bruder hat mich ziemlich schnell 'gefunden', ohne dass ich was erzählt habe. nach und nach hab ich mehr erzählt, auch mal die adresse rausgerückt. inzwischen lesen doch ein paar bekannte meinen blog. familientechnisch eigentlich nur mein bruder.

ich hab auch schon menschen übers bloggen kennengelernt, die ich jetzt auch persönlich kenne/treffe und die immernoch mitlesen bei mir.

es kann schon sein, dass man nicht mehr so frei und hemmungslos (wenn man das so schreiben kann?) seine gefühle niederschreibt. aber eben. das muss man für sich selbst entscheiden :)

acqua - 25. Feb, 14:04

Weiss denn deine restliche Familie gar nicht von deinem Blog? Oder interessiert sie sich einfach nicht dafür?
seenia - 25. Feb, 14:05

es wissen inzwische alle von meinen blog. aber irgendwie interessiert das nicht wirklich jemand. regelmässig liest nur mein bruder, und das nur, weil er sich auch in der blogsphäre aufhält.

auch mein freund liest nur sporadisch..
acqua - 25. Feb, 14:09

Komisch. Das kann ich mir fast gar nicht vorstellen, dass ich so reagieren würde. Aber wenn man selbst nicht bloggt oder evt. auch sonst nicht viel Zeit im Internet oder am Computer überhaupt verbringt ist das wahrscheinlich naheliegend.
seenia - 25. Feb, 14:10

ich kann mir das auch nicht vorstellen. aber mein freund kann gut und gerne wochenlang ohne internet sein! :))
acqua - 25. Feb, 14:12

Komischer Typ! ;-) Aber sonst scheint er ja ein Goldstück zu sein. Insofern: Sie hätten es schlimmer treffen können...
seenia - 25. Feb, 14:14

mir ist das also recht, so kann ich mehr an den läppi sitzen zuhause. :)))
obwohl ich schon oft 'dumme' sprüche hören muss. er belächelt das bloggen eben....
acqua - 25. Feb, 13:51

Danke für die vielen und ausführlichen Antworten!

Beim Bloggen ist es anscheinend (erstaunlich!) wie im richtigen Leben: "You can't eat the cake and still have it." Oder auf Deutsch: Ich kann nicht mein Umfeld ins Bloggen einbeziehen und hier noch immer über ein anonymes Tagebuch verfügen. Je mehr Menschen ich aber über das Bloggen kennenlerne, umso mehr schwindet meine Anonymität hier sowieso. Insofern ist es wahrscheinlich nur konsequent, nach und nach ein paar nahen Personen davon zu erzählen.
Mein Plan: Ich werde nun eine Weile lang bolggen und mir dabei vorstellen, x oder y würden mitlesen. Mal schauen, wie sich das anfühlt.

books and more - 25. Feb, 13:58

Der Plan klingt gut!

Man kann sich auch vorstellen, jemand aus dem beruflichen Umfeld liest mit, z.B. auch (bei Selbstständigen) dieser oder jener Kunde. Mein Freund und ich haben uns überlegt, unsere Website (Kommunikationsbranche) um ein 'Company-Blog' zu erweitern. Aber da dann auch dieselbe Frage in grün: Wie privat dürfen / sollen die Einträge werden? Je persönlicher, desto interessanter, klar - ZU persönlich würde aber auch bedeuten, Schwächen zu offenbaren, oder Dinge, von denen man ganz einfach nicht sicher genug ist, ob sie 'gefallen' (und im Kontext Kundenkommunikation WILL man eben auch 'gefallen').
Open question. Bis jetzt kein Firmenblog.
acqua - 25. Feb, 14:07

Berufliches Umfeld ist mir definitiv zu öffenlich. So weit möchte ich in diesem privaten Blog nicht gehen müssen.

Aber Gedanken zu einem beruflichen Blog habe ich mir auch schon gemacht. Hängt dann wahrscheinlich auch von der Branche ab, wie genau man das private vom geschäftlichen trennen kann.
Narana (anonym) - 25. Feb, 20:24

Für manches ist ein Zweitblog besser, weil "sicherer".
Du kennst z.B. ja auch meine Situation, anfangs war's das "Disease Diary", in dem auch mein berufliches Umfeld mitlas, darum werde ich mich schwerstens hüten, irgendwelche Sachen aus eben diesem Umfeld zu bloggen, wenn es nicht banale Allgemeinplätze sind.

acqua - 27. Feb, 15:43

Meine Bedenken bez. Zweitblog:
- Es würde ganz schön lange dauern, bis ich wieder so viele nette Leser hätte wie hier. Auf Feedback möchte ich nämlich nicht verzichten.
- Ich weiss nicht, ob ich genug Ausdauer hätte, zwei Blogs aufrecht zu erhalten.
karlakolumna (anonym) - 26. Feb, 20:39

Mal eine Frage von einer (noch) nicht blogenden Blogleserin: Wie geht Ihr mit diesen zwei Welten um, der realen und der Netzwelt? Kommt man da nicht völlig durcheinander, im Blog über Dinge zu schreiben, die man gleichzeitig xy gar nicht und z nur abgemildert erzählen würde? Entwickelt man vielleicht sogar zwei Identitäten, eine reale und eine Blogidentität?

acqua - 27. Feb, 15:41

Ich ertappe mich manchmal dabei, dass ich etwas, das ich hier beim Blogen "gehört" habe, im richtigen Leben weiter erzählen will und dann merke, dass das nicht geht, weil ich nicht sagen kann bzw. will, wo ich die Information her habe.
Umgekehrt habe ich das Problem (bisher) nicht, weil aus dem richtigen Leben ja (noch) niemand mitliest.
karlakolumna (anonym) - 27. Feb, 22:28

Eben, so gehts mir als Leserin ja auch. Man liest so viele spannende Geschichten in den Blogs, die einen dann natürlich beschäftigen - aber man kann sie keinem erzählen, denn dann kommt die Frage nach dem Woher - und auch die Frage, warum man sich für das Leben wildfremder Leute interessiert. Tja, und diese Frage kann ich mir auch nicht befriedigend beantworten. Einerseits ist es oftmals einfach gute Unterhaltung, weil lustige Anekdoten, interessante Sichtweisen, gut geschrieben... Andererseits fühle ich mich auch als Voyeur, denn ich bekomme EInblicke in andere Lebensweisen, wie ich sie von realen Bezugspersonen nicht bekomme. Und da setzen ja auch die Bedenken vieler hier kommentierender Blogger an: Dem persönlichen Umfeld in der realen Welt würde man nicht solche EInblicke gewähren - warum tut man es aber im Netz? Braucht man dafür eine klitzekleine exhibitionistische Ader? - Ich weiss es nicht, aber ich glaube, hier liegt der eigenartige Reiz des bloggens und Blog-lesens - oder was meinst Du?

acqua - 1. Mrz, 16:40

Voyeuristisch? Wahrscheinlich auch. Aber nicht voyeuristischer als das Lesen von Klatschheften oder das Belauschen von Gesprächen im Zug. Eher sogar weniger, denn Bloger wissen ja, dass sie gelesen werden, wollen gelesen werden und können sich aussuchen, wie viel sie von sich offenlegen.
Ich habe mit dem Blog hier angefangen, weil ich eine Möglichkeit sah, endlich mal ein Tagebuch länger als drei Tage lang zu führen. Durch die Leser und Kommentiererinnen erhoffte ich mir mehr Motivation. Und diese Hoffnung wurde erfüllt. Nur werden diese Mitbloger nun immer mehr von abstrakten zu realen Personen und der Blog vom Tagebuch zum Teil des realen Lebens.
Zorra - 29. Feb, 11:44

Ich habe nur ganz wenigen ausgewählten Freunden von meinen Blogs erzählt. Meiner Familie überhaupt nichts. Y. weiss natürlich davon und findet es komisch, aber lässt mich machen. ;-)

acqua - 1. Mrz, 16:41

Das ist aber nett von Y. ... ;-)
Gerade bei dir wäre ein Blog doch eine Möglichkeit, Kontakt zu den Menschen zu Hause zu halten. Aber dann hat er halt wieder eine andere Funktion.

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